Excitus

 

Firhel.So lautet mein Name. 
Ich bin nicht menschlich, ich bin eine Totenwächterin und sorge dafür, dass die Seelen der verstorbenen sicher ins Jenseits finden, denn der Weg ist lang und verwirrend. Wir können keine Kinder kriegen, und somit ist es ein Rätsel, wieso es uns trotzdem gibt, wenn auch nicht viele. 
Wenn ein Kind unter gewissen Umständen zur Welt kommt, wird es ein Totenwächter, aber diese Umstände sind unklar. Meine Eltern sind beide Lichtelfen, und hatten mir einen Name gegeben, der zu mir passte. Er bedeutete dunkles Licht. Sie hatten mich auf eine menschliche Schule geschickt, damit ich den Umgang mit ihnen lernte, weil ich versehentlich als ich Zehn war eine Seele ein gefangen hatte. Bis dort hin hatte ich gedacht, ich sie ebenfalls eine Elfe. Ich war im Wald gewesen, und vor mir schwebte plötzlich ein kleines, blaues Licht das neckisch auf und ab hüpfte. Ich fing es ein, im Glauben es sie ein Glühwürmchen und zeigte es meinen Eltern. Also wurde ich "angelernt" damit so etwas nicht wieder vor kam. 
Ich musste lernen, unter den Menschen nicht auf zu fallen, wie sie auf Stress reagierten damit ich ihre Seelen besser ein fangen konnte und vieles Mehr. 
Mir viel schnell auf, wie egoistisch und barbarisch Menschen doch waren. Sicher, es gab Ausnahmen, aber die kamen äußerst selten vor. 
Seit sechs Jahren ging ich nun schon zur Schule und musste sagen, dass ich lieber sterben würde als dort zu Leben. Die Menschen verdreckten ihre Welt, gingen rücksichtslos mit ihr um und achteten sie kein bisschen. Ich hatte schnell begriffen, wie viel Angst sie vor dem Sterben hatten, und sich ständig fragten, was danach war, dass sie Angst hatten dass sie einfach vergessen werden würden. 
Ich selber konnte es nicht verstehen, weshalb sie sich so fürchteten, schließlich war ich damit ja schon vertraut. Meine Eltern machten sich so gut wie immer Sorgen, da ich keine Elfe war. Sie glaubten, das ich später von einer bösartigen Seele gefressen werden könnte, aber ich hielt das für Schwachsinn. Trotzdem hatte sie mir zu meinem Fünfzehnten Geburtstag einen Ring geschenkt, in dem ein kleiner, goldener Stein ein gelassen war, und der mich schützen sollte. 
Ich trug ihn immer, er erinnerte mich an sie und vielleicht stimmte es ja. Vielleicht würde ich ihn irgendwann brauchen.
 
die Sonne ging gerade auf, als ich auf die drei Bäume, die ein magisches Portal bildeten, zu ging. Da meine Welt getrennt lag von die der Menschen, musste ich durch eine Art Portal, um die Welt wechseln zu können.
Ich berührte die Rinde eines Baumes und sah zu der Frau hoch, die auf einem Ast saß und mir zu winkte. 
"gehst du wieder?" fragte sie und sprang elegant herunter. Sie lehnte sich gegen ihren Baum und sofort wucherte Rinde auf ihre Zarte Haut.
"Ja."
"Dann wünsche ich dir viel Glück, Firhel." sagte sie, winkte noch einmal und grinste, bevor sie vollkommen mit dem Baum verschmolz.  Ich atmete noch einmal die Frische Luft ein, machte einen Schritt vorwärts und stand sofort in einer engen, kleinen Gasse. Die Luft und die Umgebung hatte sich schlagartig verändert, es stank und überall lag Dreck. Ich verzog den Mund und beeilte mich, so schnell wie möglich aus der Gasse zu kommen. Hier war die Luft nicht ganz so schlimm, aber eben immer noch kein Vergleich zu meiner Welt. 
Ich schlängelte mich geschickt an den Menschen vorbei und betrat den Schulhof. Kaum zu Glauben, dass man hier lernen konnte. 
Ich ging auf Jenny zu, das einzige Mädchen in der Klasse mit dem ich mich verstand. Sie winkte mir zu und hüpfte auf geregt auf und ab. "Hallo, Firhel! Da bist du ja!" schwungvoll nahm sie mich in den Arm und zog mich in die Klasse, wo wir uns auf unsere Plätze setzten. "Oh, schau mal wer da kommt." knurrte sie und zeigte auf die Tür, in der Larissa stand. Sie sah durch die Klasse, lächelte, warf ihr platinblondes Haar mit den pinken Strähnen zurück und tippelte zu ihrem Platz, an uns vorbei. "Na, ihr zwei? Ist schon lustig, das die Freaks der Klasse sich verbündet haben, aber kein Wunder, oder?"
Jenny ignorierte sie und streckte ihr die Zunge aus, als sie uns den Rücken zu kehrte. "Ich kann sie nicht leiden! Andauernd meint sie, sie wäre was besseres!"
"Ich mag sie auch nicht." sagte ich und wendete mich wieder meinem heft zu, auf dem ich kleine Kreise und Dreiecke kritzelte. </font>
Die Schulzeit zog sich ungemein, bis es endlich zur großen Pause klingelte und wir aus der Klasse stürmten. Jenney zog mich in die volle Mensa und begann sofort, sich ihren Salat herein zu stopfen. 
Jenny und ich waren uns in keinster Weise ähnlich, sie hatte glatte Haare, die ihr bis zum Kinn reichten, war etwas moppelig und wusste aber, wie sie das Kaschieren konnte, ihre blauen Augen gaben einen unglaubliche Kontrast zu ihrem Feuerroten Haar und die vollen Lippen waren immer zu einem Lächeln verzogen. Lustlos schob ich meine Pommes auf meinem Teller herum, die nur so vor Fett trieften. Wie konnten die Menschen das bloß essen?
"Schmecktes dir nicht?" fragte sie und sah von ihrem Grünzeug hoch. Ich nickte angewidert.
"Dann nehme ich dir die Last, okay?" Jenny beugte sich über den Tisch und zog meinen Teller zu sich. "Ich dachte, du willst Diät machen?" lächelte ich und sah zu, wie sich der Teller rasend schnell leerte.
"Morgen", brachte sie heraus und stopfte sich den Mund voll, "ganz sicher!"
Ich grinste und stand auf, als es wieder schellte. Ich war froh aus der vollen, stickigen Mensa zu kommen. 
"Firhel, kommst du nach der Schule mit zu mir?" fragte sie und zupfte ihre weiße Bluse zurecht.
"Ich kann nicht, ich muss nach Hause." seufzte ich und setzte mich wieder an meinem Platz, als wir in der Klasse waren.
"Wieso?"
Ich zuckte mit den Schultern. 
Ich war schon ein Mal bei ihr gewesen, und seitdem fragte sie mich öfter, wann wir denn mal zu mir gehen würden. Was natürlich nicht ging, ich konnte sie nicht einfach so in meine Welt bringen! Sie ah mich misstrauisch an, ging aber nicht weiter drauf ein. 
 
Erschöpft atmete ich aus, als die Schule endlich vorbei war. Es war die Hölle, so lang auf einem Stuhl sitzen zu müssen, in einem Raum ohne richtiges Licht, nur mit diesem Künstlichen und zwei kleinen Fenstern. 
Ich beeilte mich, so schnell wie möglich wieder zu mir zu kommen und rannte schon fast. Es war widerlich, den das Portal hier befand sich zwischen zwei Mülltonnen, die unglaublich voll waren und Fliegen nur so an zogen, außerdem ging ein stechender Geruch von ihnen aus. Ich rümpfte die Nase und ignorierte den Beißenden Gestank und trat Rasch durch das Tor. Es war immer, als würde man einen Unsichtbaren Vorhang zur Seite schieben, es gab keinen Widerstand oder dergleichen.
Gierig sog ich die Frische Luft ein und schloss kurz die Augen, sie taten mir jedes mal weh wenn ich in der verrauchten Mensa gewesen war. </font>  
Zuhause angekommen lies ich mich müde auf mein Bett sinken. Ich schloss die Augen und entspannte mich.
Ich öffnete die Augen, als meine Mutter klopfte und leise eintrat. In der Hand hielt sie eine Schüssel mit Weintrauben und Äpfeln, die sie mir lächelnd in die Hand drückte. "Und, wie war die Schule?" fragte sie und setzte sich zu mir. "Langweilig." antwortete ich und musterte sie, während ich an einer Traube knabberte. Sie sah nervös aus, angespannt und als würde sie gleich in Tränen ausbrechen. "Mama, ist was?"
Sie holte tief Luft und lächelte gequält. "Ja, Firhel. Du weist, wie selten es ist, das ein Excitus zur Welt kommt?"
"Ja, weis ich. Ich habe schon oft gehört, dass es selten ist, das ein Totenwächter geboren wird."
"Genau. Also wird auch jeder, wirklich jeder dazu aufgefordert seiner Bestimmung zu folgen."  sie holte tief Luft und schloss die Augen. 
"Was willst du damit sagen?" hackte ich nach und bekam ein ungutes Gefühl. 
"Du wirst nun bald sechzehn, Schatz. Und nach dem Gesetzt deiner Art, heißt das das du erwachsen bist, sobald du diese Alter erreicht hast."
"Und?"
"Und nun wird verlangt, das du ab deinem sechzehnten Geburtstag deiner Bestimmung folgst, Firhel. Du sollst mit dem Seelenfang beginnen."
"Was?" keuchte ich und ließ vor Schreck die Schüssel fallen, die auf dem Boden zerbrach. Meine Mutter kümmerte sich nicht um die Scherben und legte einen Am um mich. Ich hatte doch gewusst, das es so war! Ich wusste doch, das ich irgendwann damit anfangen müsste! Wieso haute es mich so um? Wahrscheinlich weil ich nicht dachte, das ich so früh damit an fangen musste. Es wäre nicht halb so schlimm, wenn ich Zuhause bleiben könnte, aber so lief das leider nicht, wie mir Mama erklärte. Ich würde von zu Hause weg müssen, schließlich starben die Menschen ja nicht vor meiner Haustür, und musste deshalb ausziehen. 
Aber ich war noch nicht soweit!
"Ich  will aber nicht!" schluchzte ich und schlang meine Arme um sie.
"Ich doch auch nicht, Firhel. Wir wollen auch, das du noch bei uns bleibst, aber es geht nicht." sie streichelte mir über den Rücken und gab mir einen Kuss auf die Stirn. "Es tut mir Leid. Aber bis zu deinem Geburtstag ist es noch einen Monat hin, also lass uns versuchen die Zeit noch zu genießen, ja? Ich wollte nur, das du Zeit hast um dich darauf vor zu bereiten."
Ich nickte und lächelte gequält. Sie gab mir einen weitern Kuss und holte ein silbernes Päckchen zum Vorschein.
"Es ist von deinem Vater. Er wollte es dir geben, aber er hat zu viel Angst."
Nervös nahm ich es an und öffnete langsam das Papier, in dem es ein gewickelt war. Ängstlich öffnete ich nun auch die Schachtel und Tränen traten mir in die Augen.
Es war eine Kette, die als Anhänger eine Art Flasche hatte. der Verschluss sah aus wie eine schwarze Rose, und der Rest war drei Centimeter lang, war schlicht und lief am Ende spitz zu und das alles baumelte an einem silbernen Kettchen. Wie schön! Vorsichtig nahm ich sie in die und und bewunderte es. 
"Es dient zum Einfangen der Seelen, es ist eine Art Behälter, du wirst es brauchen. Papa hat es von Aurelia schmieden lassen." sagte sie und sah es ebenfalls an.
"es ist wunder schön!" flüsterte ich und legte es wieder zurück, aus Angst es könnte kaputt gehen. 
"Danke, Mama!"
"Dank nicht mir, sondern deinem Vater!" lachte sie und stand auf. Ich sah zu wie sie mein Zimmer verließ und musterte die Kette. So, zum Fangen war es. Eines Verstand ich aber nicht ganz , wenn ich doch Seelen, also von Toten, einfangen sollte, wieso musste ich dann zur Schule? Meine Mutter hatte mir mal gesagt, es wäre dann vielleicht einfacher und nicht so schwer für mich, wenn ich plötzlich (im schlimmsten Fall) eine halb verweste Leiche vor mir hatte, wenn ich wüsste wie sie lebten (was natürlich Schwachsinn war). Ich meine, schockierend war es sicher so oder so. 
Und wieso, verdammt musste ich zur Schule? ich war sehr spät eingeschult worden, und wie hatten sie es hin gekriegt? Wahrscheinlich hatten sie sich Hilfe geholt, von irgendwem der sich damit auskannte. Papiere konnte man schließlich nicht zwischenher Fälschen. 
Aber meine Eltern hatten Recht behalten, Menschen glaubten wirklich nur an das was sie sahen. Ich meine, da ich vorgab ein Mensch zu sein, glaubten sie das tatsächlich! Aber wieso glaubten welche an Gott? Den sahen sie ja auch nicht! Es lag wohl einfach daran, dass es für alles was sie sich nicht erklären konnten einen Grund geben musste, wieso es so war. Und da kam ihnen Gott ja gerade recht. 
Ehrlich gesagt, hätte ich mir die Zeit in der Schule sparen könnten. Wirklich geholfen hatte sie mir nicht. Ich seufzte und stand auf. Wenn ich weiter darüber nach dachte, würde mein Kopf explodieren. Langsam schritt ich die Treppe herunter, die aus Wurzeln eines Alten Baumes bestand und lächelte gequält. "Ich gehe noch mal raus, brauche frische Luft."
 
Erschöpft ließ ich mich ins hohe Gras fallen und sah zum Himmel, wo sich schon Vage die Form des Mondes zeigte. Ich blinzelte und berührte sachte die Kette, die ich mir vorhin noch umgelegt hatte. 
Mein Kopf tat weh und ich presste mir die Hände auf die Stirn. Ich wollte noch nicht weg! Ich wollte weiter bei meinen Eltern bleiben, es konnte doch nicht sein das ich schon so früh anfangen sollte!<font;_italic></font>Mit sechzehn schon erwachsen sein, die spinnen doch alle!<font;_></font> dachte ich und runzelte wütend die Stirn. 
"Na, kleine, misst du den Boden aus?"
Verwirrt sah ich hoch, als ich über mir eine Stimme hörte. Ich blinzelte wieder und sah in das Gesicht eines Jungen Mannes, der mich dreist an grinste.
"Siehst du hier irgendwo ein Band zum messen?" keifte ich zurück und hätte ihm am liebsten ins Gesicht gespuckt, ich war jetzt einfach nicht in der Stimmung für blöde Sprüche. 
"Wow, sind wir aber gut gelaunt!"
"Ja, nicht? Es geht mir richtig gut, es könnte mir nicht besser gehen! Hörst du die Ironie in meinen Worten?"
Er lächelte und setzte sich zu mir ins Gras. "Ja, ich bin ja nicht taub!" grinste er und musterte mich. "Du bist also ein Excitus?"
"Nein, ich bin ein Ork!" schnauzte ich und verdrehte die Augen, stat mich zu wundern woher er das wusste. 
"Und deiner unglaublich guten Laune nach zu urteilen wirst du bald angelernt." mitmaste er und betrachtete meine Kette.
"Scharf kombiniert!"
"Ja, nicht?" er lachte und spielte an seiner Kette, an der ebenfalls ein Anhänger baumelte, der mich an meinem erinnerte. "wie heißt du?"
Ich stöhnte auf. "Firhel. Und ich wäre dir sehr dankbar, wenn du gehen würdest!" schnauzte ich und wandte mich ab.
"Wieso? Willst du gar nicht wissen, wie ich heiße?" fragte er und musterte mich neugierig.
"Wenns dich glücklich macht!"
"Ich bin Arivin."
Ich brach in schallendes Gelächter aus. "Was? Silberner Sturm?"
Arivin sah mich wütend an. "Ich bin auch nicht glücklich damit!" knurrte er und legte sich hin.
"Also... du bist auch ein Excitus?" fragte ich und sah ihn neugierig an. 
"Ja, wieso?"
"Weil ich verwundert bin. Ich dachte immer, von uns gibt es nicht viele? Also schlussfolgere ich, das es sehr seltsam ist, das wir uns begegnen." 
Er richtete sich wieder auf. "Stimmt. Jedenfalls bin ich froh, mal mit einem meiner Art reden zu können. Was sind den deine Eltern?"
Ich seufzte tief. "Elfen. Und deine?"
Arivin lächelte beschämt. "Werwölfe." 
Ich zuckte leicht zusammen. Werwölfe ernährten sich von Elfen, aber das hatte nichts mit uns zu tun. 
"Oh, ich hab die Hausaufgaben vergessen!" keuchte ich und richtete mich abrupt auf. 
Arivin verschluckte sich fast und rang um Selbstbeherrschung. "Du gehst zur Schule? Bei den Menschen?"
Ich nickte und erzählte ihm, wie es dazu gekommen war. 
ER nickte. "Es ist auch ganz praktisch, den auch Seelen sind gerissen, und versuchen ab zu hauen, vielleicht wird es für dich einfacher, wenn du weist wovor sie Angst haben und all sowas."
fortsezung folgt...

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